Urintemperatur als Index für die Kerntemperatur von Industriearbeitern in heißen oder kalten Umgebungen

Arbeiter, die in heißen oder kalten Umgebungen arbeiten, sind einem Risiko für Hitzschlag und Unterkühlung ausgesetzt. In Japan starben im Jahr 2010 1718 Personen, darunter 47 Arbeiter, an einem Hitzschlag (Ministry of Health Labour and Welfare, Japan 2011). Während die Empfehlung der American Conference of Governmental Industrial Hygienists (ACGIH) die abnormale Kerntemperatur von Arbeitern als Kriterium für eine Arbeitsunterbrechung aufführt, hat sich keine Methode zur zuverlässigen Messung von Kerntemperaturen an Arbeitsplätzen etabliert. ISO 9886 (Ergonomie – Bewertung der thermischen Belastung durch physiologische Messungen. ISO copyright office, Geneva, pp 3-14; 2004) erkennt die Urintemperatur als Index der Kerntemperatur nur bei Normaltemperatur an. In dieser Studie untersuchten wir, ob die Urintemperatur als Index für die Kerntemperatur bei Temperaturen oberhalb und unterhalb des ISO-Bereichs dienen kann oder nicht. Wir haben die Urintemperatur von 31 Probanden (29,8 ± 11,9 Jahre) mit einem in der Toilettenschüssel platzierten Thermoelement-Sensor bei Umgebungstemperaturen von 40, 20 und 5˚C gemessen und mit der rektalen Temperatur verglichen. Bei allen Umgebungstemperatureinstellungen korrelierte die Urintemperatur eng mit der Rektaltemperatur und wies eine geringe mittlere Abweichung auf. Die Urintemperatur änderte sich synchron mit der Rektaltemperatur bei 40˚C. Eine Analyse nach Bland und Altman zeigte, dass die Grenzen der Übereinstimmung (mittlere Abweichung ± 2SD) zwischen Rektal- und Urintemperatur -0,39 bis +0,15˚C bei 40˚C (95%CI -0,44 bis +0,20˚C) und -0,79 bis +0,29˚C bei 5˚C (-0,89 bis +0,39˚C) betragen. Daher ist die mit der vorliegenden Methode gemessene Urintemperatur ein praktischer Ersatzindex für die Rektaltemperatur und stellt einen sehr zuverlässigen biologischen Überwachungsindex für die Beurteilung von Hitze- und Kältebelastungen von Arbeitern an realen Arbeitsplätzen dar.

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